Island · Januar
Drei Wochen im Norden, wenn die Sonne kaum über den Horizont kommt. Das Licht fällt seitlich ein, bleibt blau und verändert alles, was man über Weiß zu wissen glaubte.
Die Künstlerin
Delmenhorst, Deutschland · geb. in der Region Odessa, Ukraine
„Ich male, um die Zeit zu verlangsamen. Ein Bild ist fertig, wenn ich aufgehört habe, ihm etwas hinzufügen zu wollen.“
Kate Konovka wuchs am Schwarzen Meer auf, in einer kleinen Stadt östlich von Odessa, wo das Sommerlicht tief einfällt und stundenlang bernsteinfarben bleibt. Sie studierte Malerei in Odessa und verbrachte ihre Zwanziger mit Arbeiten, in denen es weniger um die Küste selbst ging als um die Aufmerksamkeit, die die Küste verlangt — die Disziplin, etwas Gewöhnliches so lange anzusehen, bis es aufhört, gewöhnlich zu sein.
Der Krieg, der ihre Region 2022 erreichte, unterbrach alles. Sie ging mit einer Tasche und einer Mappe, zog westwärts durch mehrere Länder und fand sich schließlich in Delmenhorst wieder — einer stillen, postindustriellen Stadt bei Bremen in Norddeutschland. Dort fand sie ein Atelier: Fenster nach Norden, hohe Decken, die besondere Stille einer Stadt, die kein Selbstbild zu pflegen hat. Seitdem arbeitet sie dort.
Das Reisen war immer Teil ihrer Praxis — aber nicht die Art, die in Galerien oder auf Kunstmessen endet. Kate zieht es an Orte, an denen Landschaft sich weigert, dekorativ zu sein: Island im Januar, wenn das Tageslicht nie ganz ankommt; das vulkanische Innere Madeiras nach einer Woche Atlantikregen; der Sahararand Marokkos; die Küste Ostafrikas, wo sie einen Monat lang lernte, dass Farbe sich nicht so verhält, wie europäische Maler annehmen. Von diesen Reisen kehrt sie ohne Fotos zurück — nur mit Erinnerung und der produktiven Verunsicherung, etwas gesehen zu haben, das in keine bestehende Kategorie passt.
Ihre aktuellen Arbeiten entstehen vor allem in Öl auf Leinen: langsame, transparente Schichten, über Wochen aufgebaut und dann abgeschabt, bis die Oberfläche etwas hält, das sich nicht hätte planen lassen. Auf Papier — in Aquarell oder Walnusstusche — folgt sie der entgegengesetzten Disziplin: eine Sitzung, keine Korrektur, volles Vertrauen ins Material. Die beiden Werkgruppen stehen, sagt sie, in ständigem Gespräch miteinander.
Über die Praxis
Ich male, um die Zeit zu verlangsamen. Ein Bild ist fertig, wenn ich aufgehört habe, ihm etwas hinzufügen zu wollen — meist irgendwo zwischen drei Wochen und einer Jahreszeit.
Ihr Prozess beginnt nicht an der Leinwand, sondern vor einem Motiv — einem Fenster, einem Feld, einem Licht, das nicht bleiben will. Die ersten Striche überleben selten. Was zählt, ist die angesammelte Zeit des Schauens, die irgendwann eine Art Erlaubnis zur Vereinfachung gibt. Das fertige Bild ist immer stiller als der ursprüngliche Impuls.
Kate reist bewusst abseits der Touristenpfade. Dies sind drei Orte, deren Licht sie noch immer verarbeitet.
Island · Januar
Drei Wochen im Norden, wenn die Sonne kaum über den Horizont kommt. Das Licht fällt seitlich ein, bleibt blau und verändert alles, was man über Weiß zu wissen glaubte.
Madeira · Herbst
Der Atlantiknebel bleibt tagelang. Die Farben flachen ab. Die Vegetation ist absurd gesättigt. Hier lernte sie, Widerspruch in einem einzigen Bild zu halten.
Ostafrika · Trockenzeit
Ein Monat nahe dem Äquator. Licht, so direkt, dass es den Schatten völlig auslöscht. Sie kam mit der Überzeugung zurück, dass die europäische Malerei Hitze als Farbe unterschätzt.
Das Atelier
Das Delmenhorster Atelier steht Sammlerinnen und Sammlern nach Vereinbarung offen. Besuche dauern etwa eine Stunde — Sie sehen Werke in Arbeit, fertige, noch nicht gelistete Gemälde und manchmal das Bild, an dem sie gerade malt. Auftragsarbeiten werden individuell besprochen; die Vorlaufzeit beträgt üblicherweise drei bis fünf Monate.